ALFONZ on Tour: Erlangen 2018, Tag 3

Veröffentlicht: Sonntag, 03. Juni 2018

Mich laust der Affe! Comics als Kunst? Der Erlanger Salon liefert wie alle zwei Jahre gute Argumente, das Medium häufiger ins Museum zu bringen. Am Samstag gab es Ausstellungen satt – mal ernst, mal ausgelassen, mal philosophisch, aber immer erhellend.

Tag 3 beim Comic-Salon – Im Museum gewesen. Gestaunt.

Für Kenner sind Comics nicht nur Kult, sondern Kunst. Das hat sich mittlerweile auch in der deutschen Museumslandschaft herumgesprochen, auch wenn deren Macher sich nach wie vor mit dem sequenziellen grafischen Erzählen schwertun. In Erlangen ist das naturgemäß anders. Hier zeigen zig Ausstellungen, was mit dem Medium alles möglich ist. CRON hat sich vier Präsentationen einmal angesehen.

 Ausstellung "Zeich(n)nen der Zeit" im Stadtmuseum

Einer der Themenschwerpunkte des Salons 2018 ist der Comicjournalismus. Die Ausstellung »Zeich(n)en der Zeit – Comic-Reporter unterwegs« räumt dem Thema auf zwei Stockwerken des Stadtmuseums ausreichend Platz ein. Los geht es im Erdgeschoss mit einem knappen historischen Überblick über »Bildnachrichten« und der Vorstellung des Urvaters der Comicreportage: dem 1960 auf Malta geborenen US-Amerikaner Joe Sacco, dessen zwischen 1993 und 1995 veröffentlichte Geschichte Palestine gemeinhin als Geburtsstunde dieses journalistischen Genres gilt. Im Obergeschoss sind dann Arbeiten, darunter viele Originalzeichnungen, von Comicreporterinnen und -reportern wie Ulli Lust und Guy Delisle, Sarah Glidden und Olivier Kugler, Victoria Lomasko und Patrick Chappatte zu sehen. Welche Rolle Zeitschriften wie Strapazin, La Revue dessinée oder die Online-Plattform The Nib spielen, ist hier ebenfalls anschaulich dargelegt. Inwiefern es sich bei den ausgestellten Werken streng genommen um Journalismus handelt, beantwortet die Ausstellung allerdings nicht. Dafür bietet sie abseits der Zeichnungen durch kurze Videos Einblicke, die einem sonst verwehrt bleiben. Hier geben die Comicschaffenden Auskunft, wie sie zu ihren Themen gelangen, und lassen sich bei deren Umsetzung über die Schulter blicken.

Ausstellung "Flix - Von Beruf Comic-Zeichner" im Redoutensaal
Ausstellung "Jeff Lemire - Die Kunst des Erzählens" im Redoutensaal

Während mit Comicjournalismus nur mühsam Geld zu verdienen ist, würdigt eine Doppelausstellung im Redoutensaal zwei Künstler, die es geschafft haben. Die von modernen Museen gewohnten kleinen weißen Kabinen teilen den Raum in zwei Hälften. Links führt Jeff Lemire in seine »Kunst des Erzählens« ein, rechts beweist Felix Görmann alias Flix, warum er »Von Beruf Comic-Zeichner« ist. Links persönlich geprägte melancholische, rechts persönlich geprägte heitere Geschichten – gerade der Gegensatz dieser Gegenüberstellung funktioniert wunderbar. Etwas bessere Luft hätte es dann aber gern sein dürfen. Der Saal ist so heiß und stickig, dass es einen schnell wieder ins Freie treibt, anstatt in den Leseecken zu verweilen.

Ausstellung "Marc-Antoine Mathieu - Gefangener der Träume" im Palais Stutterheim

Gar nicht mehr weg mochte man hingegen aus dem Kunstpalais, in dem Marc-Antoine Mathieus Figuren aus den Panels springen und den Raum erobern. Statt nur Originale an die Wand zu hängen, werden die Wände hier selbst Teil der Ausstellung. Mathieus Bildergeschichten werden Installationen. Eine gelungene, weil mit den Mitteln der dritten Dimension und den Möglichkeiten anderer Medien konsequent weitergedachte Fortführung seiner medienreflexiven Comics. Manches, wie eine Mise en abyme, eine Seite in der Seite in der Seite in der Seite aus Der Ursprung, erzielt in der Animation eine noch stärkere Wirkung. Und mit der Übertragung seines Comics Richtung in die virtuelle Realität demonstriert der französische Comicphilosoph erneut, dass es für ihn anscheinend keine Grenzen gibt.

Falk Straub

© Internationaler Comic Salon Erlangen, Fotos: Erich Malter, 2018

Ausstellung "Marc-Antoine Mathieu - Gefangener der Träume" im Palais Stutterheim