US-Markt: Sales Charts Mai 2011

Veröffentlicht: Montag, 20. Juni 2011

 

Abt: Comics Sales Charts USA

Der COMIC REPORT berichtet schwerpunktmäßig über den deutschsprachigen Comicmarkt. Wir wollen jedoch in Zukunft sporadisch über die Geschehnisse in anderen Ländern berichten. Was den Comicmarkt in den USA betrifft, so starten wir heute mit der ersten Folge einer neuen monatlichen Kolumne, welche die Vertriebszahlen (Anzahl der Comics, die an die Comic-Shops geliefert wurden) kommentiert.

Dies übernehmen die beiden freundlichen Blogger von nebenan: Crayton und der Nachbar. Das dynamische Duo treibt nun schon seit einiger Zeit mit einem eigenen Blog (Schwerpunkt US-Comics) im Internet sein »Unwesen«. Der Nachbar ist für die allgemeine Analyse zuständig, Crayton widmet sich jeden Monat einzelnen Serien, die beispielhaft beleuchtet werden.

Auch wenn sie ganz im Stile moderner Superhelden ihre wahre Identität geheim halten müssen, weiß der COMIC REPORT, wer sie sind und wo sie wohnen. Es sind ganz normale Comicleser »wie du und ich«, die irgendwo im Ruhrgebiet leben. Und nein, sie sind nicht mit uns verwandt.


»US Sales Charts Spotlights«
Folge 1: Mai 2011 - Wieder nix mit hundert Tausend

Marktbeobachtungen von Crayton und der Nachbar

Grüße und so!

Es ist mal wieder Zeit für einen Blick auf die Comicverkaufszahlen des US-Marktes, welche im Vergleich zu den Vormonaten leicht gesunken sind und den erhofften Aufschwung wieder etwas mehr in die Ferne rücken lassen.

An der Spitze der Verkaufszahlen lieferten sich Marvel und DC diesmal mit ihren jeweiligen Events »Fear Itself« bzw. »Flashpoint« ein Duell um den ersten Platz. Auch DCs Mini-Event »War of the Green Lanterns« ist für die Leser weiterhin von Interesse, was die Platzierungen der jeweiligen Hefte in den Top 20 belegen.

Der eingangs erwähnte gewünschte Aufschwung am US-Comicmarkt, der neben erhöhten Verkaufszahlen vor allem auch eine konstante Entwicklung einbringen sollte, lässt weiterhin auf sich warten. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass wie bereits im Februar dieses Jahres erneut kein Comictitel die 100.000er-Auflagengrenze knacken konnte. Die kumulierten Verkaufszahlen der Top 25-Titel sind darüber hinaus auch wieder leicht gesunken (März und April: ca. 158k / Mai: ca. 148k). Die Schwächephase, in welcher der US-Comicmarkt steckt, ist also leider noch nicht überwunden. Ob DC mit seiner großangelegten Reboot-Kampagne in Verbindung mit dem Vertrieb seiner digitalen Comics daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Die nächsten Monate werden es zeigen.

 

US-COMIC: TOP 30 COMICS - Mai 2011 (Fachhandel)

Platz Titel Preis Verlag geschätzte Anzahl
1 Fear Itself #2 $3,99 Marvel 96.318
2 Flashpoint #1 $3,99 DC 86.981
3 Green Lantern #66 $2,99 DC 75.371
4 Avengers #13 $3,99 Marvel 68.086
5 FF #3 $2,99 Marvel 66.885
6 Green Lantern Corps #60 $2,99 DC 60.964
7 FF #4 $2,99 Marvel 60.571
8 Batman Incorporated #6 $2,99 DC 60.480
9 New Avengers #12 $3,99 Marvel 60.328
10 Amazing Spider-Man #661 $3,99 Marvel 59.087
11 Amazing Spider-Man #662 $3,99 Marvel 58.249
12 Batman And Robin #23 $2,99 DC 57.525
13 Amazing Spider-Man #662 $3,99 Marvel 55.883
14 Batman #710 $2,99 DC 55.086
15 Flash #12 $2,99 DC 54.914
16 Uncanny X-Men #537 $3,99 Marvel 53.716
17 Green Lantern Emerald Warriors #10 $2,99 DC 52.971
18 X-Men Giant-Size #1 $4,99 Marvel 52.103
19 Secret Avengers #13 $3,99 Marvel 51.936
20 Uncanny X-Force #9 $3,99 Marvel 51.726
21 Uncanny X-Force #10 $3,99 Marvel 50.676
22 Mighty Thor #2 $3,99 Marvel 50.473
23 Moon Knight #1 $3,99 Marvel 49.018
24 Ultimate Comics Spider-Man #158 $3,99 Marvel 47.941
25 Justice League Of America #57 $2,99 DC 46.729
26 X-Men #11 $3,99 Marvel 46.519
27 X-Men Legacy #248 $2,99 Marvel 46.083
28 X-Men Legacy #249 $2,99 Marvel 45.063
29 Invincible Iron Man #504 $3,99 Marvel 44.791
30 Captain America #618 $3,99 Marvel 44.748

Das Interesse an Marvels aktuellstem Event ist bei den Fans weiterhin ungebrochen, was dem Verlag mit Fear Itself #2 den ersten Platz beschert. Der Kampf der Marvel-Superhelden rund um Steve Rogers gegen Sin, der Tochter Red Skulls, die ein uraltes Übel freigesetzt hat, ist mit ca. 96.000 verkauften Heften zum zweiten Mal in Folge auf Platz 1 der Verkaufscharts.

Auf Platz 2 folgt der Opener von DCs letztem Event vor dem großen Reboot. Barry Allens Abenteuer in Flashpoint #1 wurde etwa 87.000 Mal verkauft, was für dieses großvermarktete Ereignis mit solch enormen Auswirkungen doch ziemlich enttäuschend sein dürfte, schließlich läutet Flashpoint eine neue Ära im DC-Universum ein.

Hal Jordans Kampf gegen die Grünen Laternen beschert DC ein paar gute Positionierungen in den Verkaufszahlen (Plätze 3, 6 und 17), da die Miniserie »War of the Green Lanterns« weiterhin auf reges Interesse bei den Fans trifft.

Auf den weiteren Plätzen ergibt sich ein Bild, wie man es schon so oft in den letzten Monaten gesehen hat: Spider-Man, Batman, die Rächer, die X-Men. Wobei der Anteil der Marvel-Titel um ein vielfaches höher liegt als der von DC (21:9). Dies sah für DC in den Vormonaten dank »Brightest Day« noch etwas anders aus, doch vermutlich wird sich das Blatt ab den nächsten Monaten wieder wenden, wenn die Welle der DC-Reboot-Titel über den Comicmarkt hereinbrechen wird.

Erwähnenswert wäre noch der Opener von Marvels neuer Ongoingserie Moon Knight auf Platz 23, die mit fast 50.000 verkauften Heften aufwarten konnte.

Die enorme Dominanz, die von Marvel und DC ausgeht, macht es den kleineren Verlagen sehr schwer, ihre Titel im oberen Teil des Rankings unterzubringen. Erst auf Platz 40 schafft es Image mit seiner preisgekrönten Zombie-Serie The Walking Dead so etwas wie Abwechslung in die Verkaufscharts zu bringen. Hier wäre mehr Abwechslung wünschenswert.

Abschließend wollen wir nochmal einen genaueren Blick auf zwei bestimmte Serien werfen, die in den letzten Monaten immer wieder erfolgreich in den Top 30 vertreten waren:

Während die Verkäufe der Comics insgesamt fallen und sich die US-Comicindustrie weiterhin in einer Krise befindet, habe ich mir in diesem Monat exemplarisch die diesjährige Entwicklung von zwei Serien genauer angeschaut. Dabei habe ich mich für zwei Serien entschieden, die ich selber kontinuierlich lese und die zu den konstantesten der beiden großen Verlage Marvel und DC gehören.

Werfen wir zunächst einen Blick auf The Amazing Spider-Man:

Titel # Monat Verkäufe Veränderung [%]
The Amazing Spider-Man 651 Januar 56.749 -
652 Januar 52.050 -8,28%
653 Februar 53.103 2,02%
654 Februar 53.882 1,47%
654.1 Februar 55.283 2,60%
655 Februar 53.366 -3,47%
656 März 59.626 11,73%
657 März 58.704 -1,55%
658 April 61.687 5,08%
659 April 58.258 -5,56%
660 Mai 58.249 -0,02%
661 Mai 59.087 1,44%
662 Mai 55.883 -5,42%

Der Netzschwinger gehört schon von jeher zu den erfolgreichsten Figuren von Marvel. Doch wie wirkt sich die Comic-Krise auf ihn aus? Wenn ich mir hier die Zahlen anschaue, dann muss man sagen, dass die Serie weiterhin relativ konstant gut läuft. Zwar sieht man immer mal wieder kleinere Auf und Abs, aber die prozentualen Veränderungen halten sich doch arg in Grenzen. Klar, mit zwischen 50.000 – 60.000 Verkäufen pro Heft ist Spidey zwar weit von früheren Zahlen entfernt, aber welche Reihe ist das mittlerweile nicht? Wir können die heutigen Zahlen einfach nicht mehr mit zum Beispiel den 1990er Jahren vergleichen, als es teilweise Millionenverkäufe gab. Dennoch ist eine Serie mit Konstanz heutzutage Gold wert für einen Verlag. Da die Serie zwei- bis dreimal im Monat erscheint (im Februar gab es sogar vier Ausgaben), verkaufen sich die Abenteuer von Peter Parker immer noch zwischen 100.000 und 150.000 Mal pro Monat. Was ich noch interessant finde ist, dass Spideys Mitgliedschaft bei der »Future Foundation« (in den Heften #657 bis #662 thematisiert) keine besonderen Auswirkungen auf die Verkaufszahlen der Serie hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei DC Comics habe ich mir die Serie Batman & Robin angeschaut:

Titel # Monat Verkäufe Veränderung [%]
Batman & Robin 19 Januar 61.785 -
20 Februar 60.642 -1,85%
21 März 59.818 -1,36%
22 April 59.076 -1,24%
23 Mai 57.525 -2,63%

Diese Serie war seit ihrem Start sehr erfolgreich und schaffte es oft, sich im oberen Bereich der Top 10 zu platzieren. Wenn man sich hier die Datenlage anschaut, fällt auf, dass die Verkäufe in diesem Jahr ständig rückläufig sind. Wenn man die Verkäufe der ersten Ausgabe (im Juni 2009: 168.539) mit Heft 23 (Mai 2011: 57.525) vergleicht, hat die Serie in knapp zwei Jahren ca. 66% einbüßen müssen. Dennoch reicht es für Heft Nummer 23 im Monat Mai mit Platz 12 für eine sehr gute Positionierung in den Verkaufscharts. Trotzdem scheint die Serie eher auf dem absteigenden Ast zu sein, wobei es dieses Jahr von Monat zu Monat nur geringfügige Verluste gab. Mit dem kommenden DC-Reboot kann sich das aber wieder ändern, denn auch Batman & Robin werden neu gestartet. Mal sehen, wie sich das auf die Zahlen der Serie auswirken wird.

Abbildungen © Marvel (Fear Itself, ASM), DC Comics (Flashpoint, Batman & Robin)


Hinweis:
Diamond Comics Distributors, Inc., der größte Vertrieb von Comics in Nordamerika, veröffentlicht regelmäßig monatlich eine Verkaufsübersicht. Zwar spiegeln die Zahlen »nur« die Liefermengen des Großhändlers an die US-Comicshops wider (ohne Buchhandel und Diamond UK), aber sie können dennoch gut als Gradmesser für die Verkäufe an der Ladentheke dienen. Jeden Monat werden diese geschätzten Zahlen vom Branchendienst ICv2 bekanntgegeben und analysiert.

Über die Autoren

»Crayton« und »Der Nachbar« (beide Anfang 30, wohnhaft zwischen Köln und Düsseldorf) sind schon seit ihrer Kindheit begeisterte Comicfans. Neben Klassikern wie Asterix, Lucky Luke und Disneys Lustige Taschenbücher kamen auch recht schnell die Superheldengeschichten von Spider-Man & Co. in ihre Finger. Vor zwei Jahren startete Crayton seinen gleichnamigen Blog, in dem News, Reviews, TV-Tipps etc. zu US-Superhelden von Marvel und DC veröffentlicht werden. Unterstützt wird er dabei vom Nachbar, der sein Augenmerk mehr auf die kleineren Verlage und z.T. auch Manga legt.