Frisch Gelesen Folge 150: Abenteuerjagd, Bd. 1

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: Sonstige Verlage Veröffentlicht: Montag, 23. März 2020 Geschrieben von Bernd Hinrichs

 

»Waffen runter! Sonst werfe ich den Schatz über Bord.«


FRISCH GELESEN: Archiv


Abenteuerjagd, Bd. 1: »Das Geheimnis der verlorenen Flotte«

Story: Matthias Naglschmid
Zeichnungen: Stephanie Naglschmid

Verlag S Naglschmid
Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 16,90 €
ISBN: 978-3-89594-928-9

Genre: Abenteuer

Für Leser, die das mögen: Hergé, Jacques Martin, Edgar P. Jacobs


 

Aus welchem Grund lese ich oder lesen meine Kinder Comics? Eine sehr wichtige Frage für die Beurteilung des Bandes von Stephanie und Matthias Naglschmid. Uns – und dabei vor allem den Kindern – geht es um das Abtauchen in eine andere Welt, voller Humor, voller Geheimnisse und voller Abenteuer. Genau für diesen Personenkreis ist die Serie Abenteuerjagd geschrieben – und das in doppeltem Sinn. Die Geschichte eines Geschwisterpaares, Jennifer und Timothy, die auf der Flucht aus ihrem Internat als blinde Passagiere auf einem Schiff stranden und unterwegs in die Karibik sind, lässt Parallelen zu den Klassikern – beispielsweise zu Enid Blyton – erkennen. Und wie es sich für eine richtige Abenteuergeschichte gehört, spielt sich die Handlung vor der exotischen karibischen Kulisse ab und am Ende geht es um einen sagenhaften Schatz.


Turbulent: An Bord ist immer was los.

Es ist kein Zufall, dass viele Szenen der abenteuerlichen Geschichte am, um und vor allem unter Wasser spielen. Denn der Verlag S Naglschmid hat sich bisher vor allem mit Büchern für Taucher einen Namen gemacht. Dementsprechend fließen besonders viele Szenen unter Wasser in die Geschichte ein. Gut, dass den Helden auch dort moderne Kommunikation bereitsteht, sodass die Panels nicht aus Luftblasen und Stille bestehen. Entsprechend dieser Vorkenntnisse des Kreativteams ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden Helden in der Geschichte nicht einfach ins Wasser hüpfen und lostauchen, wie es vielleicht ein James Bond getan hätte. Nein, bei Naglschmids wird – wie in der Tauchschule gelernt – beim Tauchgang immer mal wieder das Okay-Zeichen abgefragt. Und Einzelgänge unter Wasser, wie Timothy ihn noch zu Beginn des Abenteuers veranstaltete, ziehen Debatten und Gespräche nach sich. Sehr pädagogisch – aber trotzdem nicht langweilig!


Pädagogische, aber nie langweilige Tauchgänge.

Das passt auch auf einige Szenarios, in denen Wissen über das Meer und seine Unterwasserwelt wiedergegeben wird. Beispielsweise was passiert, wenn das Süßwasser aus einem Fluss in das Salzwasser des Meeres gelangt. Oder auch zur Geschichte der karibischen Inseln finden sich spannende Einwürfe.

Bemerkenswert bei dieser auf insgesamt drei Bände angelegten Geschichte ist der Umstand, dass Stephanie Naglschmid ausschließlich mit Pinsel und Tusche gearbeitet hat. Das gibt dem Band einerseits einen Retrostyle und andererseits wirken alle Figuren sehr lebendig.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die Zeichnerin, die mit dem Band ihren ersten Comic umsetzt, bei jedem Panel die passende Perspektive und die richtigen Größenverhältnisse trifft. Aber das ist bei der Geschichte auch nicht wirklich wichtig. Die Hauptzielgruppe des Comics – in diesem Fall meine Kinder – waren sich einig, dass die Zeichnungen super sind. Besonders die Schatten haben bei ihnen Spannung erzeugt und seien sehr gelungen.


Tolle Tuschezeichnungen erzeugen Spannung.

Unterm Strich liegt mit dem ersten Band der neuen Serie Abenteuerjagd ein spannendes Erstlingswerk vor. Vor allem in der jüngeren Generation dürfte es mit viel Freude verschlungen werden, was nicht zuletzt dazu führen dürfte, das Medium einer neuen Generation nahezubringen. Alle jung gebliebenen älteren Leser werden Spaß an der Geschichte haben, wenn sie sich darauf einlassen. Vielleicht nicht das Schlechtestes in Zeiten, in denen jeder dazu aufgerufen ist, zu Hause zu bleiben – einfach mal Abtauchen!

[Bernd Hinrichs]

Abbildungen © 2020 Verlag S Naglschmid


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Oder beim Verlag: Verlag S Naglschmid


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