Frisch Gelesen Folge 101: Wally Wood 1

Hauptkategorie: Rezensionen Kategorie: All Verlag Veröffentlicht: Montag, 04. Februar 2019 Geschrieben von Stephan Schunck

»Ich … ich weiß kaum, wo ich anfangen soll! Ich schätze, es gibt einfach keinen Anfang!«


FRISCH GELESEN: Archiv


EC-Archiv, Bd. 1: Wally Wood 1

Story: Wallace Wood, Bill Gaines, Al Feldstein, Harry Harrison
Zeichner: Wallace Wood, Harry Harrison

All Verlag
HC | 160 Seiten | Farbe | 29,80 €
ISBN: 987-3-946522-37-9

Genre: Science-Fiction, Fantasy

Für Leser, die das mögen: History – die guten alten Zeiten, Trash, Suspense, Überraschung, Perry Rhodan, H.G. Wells


Vielleicht sollte ich an dieser Stelle ein wenig in die Historie gehen, bevor die eigentliche Besprechung folgt. Wally Wood, EC-Comics, EC-Archive – manch einem mögen diese Stichworte nichts sagen, was nachvollziehbar ist, aber durchaus eine Wissenslücke im Universum der neunten Kunst darstellt. Bevor jetzt die Google-Suchmaschine in Arbeit versetzt wird, versuche ich mal eine ganz kurze Zusammenfassung zu geben. Maxwell Charles Gaines, der in den USA als Erfinder der Comichefte galt, gründete 1944 einen Verlag namens Educational Comics. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm Gaines jr. den Verlag und etablierte gemeinsam mit Al Feldstein entgegen herkömmlichen Trends neue Genres wie Science-Fiction, Horror und Fantasy. Dazu versammelten sie innerhalb kurzer Zeit junge Talente und alte Hasen um sich, die ermuntert wurden, ihre eigenen zeichnerischen Stärken auszuspielen, statt sich einem vorgegebenen Verlagsstil anpassen zu müssen. Das Ergebnis dieser Arbeiten waren Serien wie Weird Fantasy, Weird Science oder Tales from the Crypt, um nur einige zu nennen. Etliche dieser Werke wurden nach Maßgaben des Comics Code zensiert, sodass sich der Verlag ab 1956 auf die Herausgabe des Comicmagazins MAD konzentrierte.

Wally Wood, am 17. Juni 1927 in Menahga, Minnesota als Wallace Allan Wood geboren und am 2. November 1981 in Los Angeles, Kalifornien gestorben, war ein amerikanischer Comiczeichner, der hauptsächlich für seine Arbeiten für das MAD-Magazin und EC Comics berühmt war. Außerdem hat er das teuflische Kostüm von Daredevil erfunden. Wer sich intensiver mit der Geschichte des Verlages und seiner Künstler beschäftigen möchte, sollte sich den Artikel von Heiko Langhans und das Dossier über EC-Comics in Reddition 62 besorgen.


Eine von 19 Geschichten zwischen Scifi und Fantasy.

So viele Möglichkeiten, Wally Woods Werke in deutscher Sprache zu lesen, gab es bisher nicht. Ich erinnere mich gerade mal an die Sally-Forth-Bände aus dem Taschen Verlag Anfang der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts – also schon eine ganze Weile her. Um so erfreulicher ist es, dass Ansgar Lüttgenau mit seinem All Verlag dem geneigten Leser jetzt Woods gesammelte Science-Fiction- und Fantasy-Storys, die ursprünglich bei Weird Fantasy und Weird Science erschienen sind, zugänglich macht.

Der erste Band vereint 19 Geschichten aus den Jahren 1950 und 1951 mit so blumigen Titeln wie »Das Meteor Monster«, »Traum vom Tod«, »Die graue Wolke des Todes« oder »Das Geheimnis der Saturnringe«. Schon bei diesen ersten Geschichten wird deutlich, dass Wally Wood die gesamte Bandbreite des Comics beherrschte, die Anfertigung aussagekräftiger Vorzeichnungen, Tuschen und Kolorieren eigener und fremder Arbeiten und das Verfassen eigener Storys – zwei der hier veröffentlichten Geschichten sind aus seiner Feder.

Blumige Titel, aufwendige Bearbeitung: Für Band 1 des EC-Archivs wurde jeder Schriftzug angepasst.

Aber was zeichnet die Arbeiten von Wally Wood aus? Sein Stil ist unverkennbar: Raumfahrer mit Glashelmen, die an umgedrehte Goldfischgläser erinnern, attraktive Frauen mit wilden Mähnen und üppigen Figuren und Außerirdische, die in der Regel als abscheulichste Monster dargestellt werden.
Dabei erreichen Woods Zeichnungen eine Lebendigkeit, die mit einer – früher typischen  – Farbigkeit und einem Detailreichtum nie überladen wirken. Über manche Vorhersehbarkeit lässt sich getrost hinwegsehen. Gerade, wer die Erzählungen hintereinander liest, versucht unweigerlich das Ende vorauszusagen, freut sich, wenn es zutrifft, und ist überrascht, wenn die Geschichte doch noch eine ganz andere Wendung nimmt.


Lebendigkeit dank satter Farben und eines Detailreichtums, der nie überladen wirkt.

Das Ganze hat einen derartig charmanten Hauch von Nostalgie, dass man sich schon auf die weiteren Bände freut. Interessante historische Fakten, Meinungen und zusätzliches Bildmaterial komplettieren den Band.

[Stephan Schunck]

Abbildungen © 2018 All Verlag, EC Comics


Kauft den Comic im gut sortierten Comicfachhandel: CRON-Händlerverzeichnis

Oder beim Verlag: All Verlag