Runde 4 für Hauptmann Veit - Interview mit Nofi

Veröffentlicht: Dienstag, 25. September 2018

Die Fans mussten lange warten, nun ist der vierte Band des historischen Abenteuercomics Hauptmann Veit endlich da. »Sturmglocken« steigt tief in die Geschichte des Deutschen Bauernkriegs ein, widmet sich den Kämpfen im Raum Leipheim bei Ulm und bei Weingarten am Bodensee. CRON hat sich mit Autor und Zeichner Lutz Nosofsky, alias Nofi, über den erzählerischen Umgang mit alter Geschichte, über neue Verkaufswege und Projekte unterhalten.

Interview mit Lutz Nosofsky
über Band 4 von Hauptmann Veit

Lieber Lutz, unser letztes Gespräch liegt bereits eineinhalb Jahre zurück. Seither hat sich einiges getan, auf das wir gleich zu sprechen kommen. Fangen wir zunächst aber einmal mit dem Offensichtlichen an. Band 4 von Hauptmann Veit steht seit etwas mehr als einem Monat in den Regalen der Comichändler. Wie bist Du mit dem fertigen Album und mit den bisherigen Verkaufszahlen zufrieden?

Die eigene Arbeit öffentlich zu bewerten verbietet sich ja eigentlich. Und Zufriedenheit ist bei mir immer nur eine Beschreibung des Augenblicks der Fertigstellung. In der gesamten Bewertung der bisherigen Bände bin ich mit dem vorliegenden Band zumindest nicht unzufrieden. Verkaufszahlen zu bewerten, dafür ist es nach einem Monat noch zu früh. Soweit ich gehört habe, läuft alles ordentlich an, aber was heißt das schon im Nischenmarkt Comic. 

Für die Präsentation gehst Du ganz neue Wege. Seit Kurzem kann man Dich auf Mittelaltermärkten sichten, was beim Thema natürlich naheliegt. Was hat es damit auf sich?

Es ist ja leider eine schlichte Wahrheit, dass man von Comics eigentlich nicht leben kann. Gemessen an anderen Branchen sind die Umsätze ein Witz. Es stellt sich also die Frage anderer Verkaufsmöglichkeiten und Märkte. Der Onlinehandel ist eine Option, wobei ich auch hier immer wieder erstaunt bin, wie wenig das die Comicbranche wahrnimmt. Überall sonst steigt der Onlineverkauf, vor allem, wenn der traditionelle Handel sinkt, wie es ja durch einen anhaltenden Verlust an Comicläden leider der Fall ist. Wir sprechen hier davon, dass gut 98 Prozent der Bevölkerung heute mit Comics überhaupt nicht mehr in Berührung kommen. Da spielt es auch keine Rolle, ob ein Produkt gut oder schlecht ist, es lässt sich schlichtweg nicht mehr rentabel vermarkten.
Bei Hauptmann Veit geht es allerdings um reale, um deutsche Geschichte, die obendrein in den entsprechenden Regionen absolut präsent ist und dort auch gelebt wird. Mit Band 2, rund um den Reichsritter Sickingen in der Pfalz, habe ich damals schon die Erfahrung gemacht, dass das Produkt dort auf großes Interesse gestoßen ist, nicht zuletzt in der benachbarten Airbase Ramstein. Die Amerikaner sind ja verrückt nach realer Geschichte, vor allem, wenn sie direkt vor der Haustür stattgefunden hat. Eine Vermarktung scheiterte damals lediglich an meinen zu geringen Kapazitäten.
Ich hatte schon lange die Idee, einmal in der Mittelalterszene vorzufühlen. Es war auch eine Erfahrung, die ich mit dem Realfilmtrailer gemacht habe, der vor knapp vier Jahren in Köln entstanden ist. Nicht nur, dass das Thema dort bei Filmprofis auf kapitales Interesse gestoßen ist, sondern bereits damals interessierten sich viele Mittelalterfans, die dann ja auch kostenlos bei dem Trailer mitmachten.

Und wie nimmt das auf den ersten Blick ungewöhnliche Klientel die Verarbeitung eines historischen Stoffs in der Neunten Kunst denn auf?

Vor ein paar Wochen haben wir hier in Hamburg einen Stand beim örtlichen Mittelalter-Spectaculum gehabt, mit zirka 50.000 Besuchern. Fazit: ziemlich anstrengend, aber extrem erfolgreich. Das Beste war die Erkenntnis, endlich einmal Teile der angesprochenen 98 Prozent zu erreichen. Keiner kannte das Produkt – aber Begeisterung ringsherum. Bei rund 70 bundesweiten Mittelalterveranstaltungen pro Monat lohnt sich natürlich die Überlegung, dieses Standbein fortzuführen, zumal der Zuspruch in den vom Thema betroffenen Regionen noch um einiges höher sein dürfte.

Kommen wir von den Kunden zum Inhalt. Bei den Kämpfen im Raum Leipheim bei Ulm mischen jede Menge bekannte Persönlichkeiten mit, unter anderem Thomas Münzer, Martin Luther und der Truchsess von Waldburg. Sichtlich Spaß hast Du, das politische Ränkespiel, aber auch die strategische Kriegsführung jener Tage aufs Papier zu bringen. Wie nah bleibst Du hier an historischen Fakten und wie viel erzählerische Freiheit nimmst Du Dir?

Die reale Geschichte rund um die Deutschen Bauernkriege und die Zeit der Reformation bildet gewissermaßen die Matrix der Story, in die die literarische Erzählung von Veit eingebunden ist. Das ist auch ein Markenkern der Bände. Ich bemühe mich, so weit es geht um Authentizität, auch was Zitate betrifft. Mein Fundus an originalen Darstellungen und Schauplätzen besteht aus Besuchen und Informationen, auch eigenen Fotos vor Ort, den ich seit über 30 Jahren ständig vervollkommne. Natürlich muss man gewisse erzählerische Freiheiten haben, die eigentliche reale Geschichte darf davon aber nicht berührt sein. Natürlich muss man gewisse erzählerische Freiheiten haben, die eigentliche reale Geschichte darf davon aber nicht berührt sein. Aber über die geplanten acht Bände muss man sich auch Gedanken über die Entwicklung der handelnden Personen machen, da gibt es etliche Handlungsstränge. Die müssen sich unabhängig entwickeln, eine eigene Erzählung bilden. Hier stellen sich Fragen wie: »Wer überlebt?«, »Soll Veit sterben?«

Bei den Zeichnungen scheinst Du immer wieder auf Fotos von den Originalschauplätzen zurückzugreifen. Kannst Du ein wenig über Deine Arbeitsweise verraten.

In einem Internetbeitrag habe ich neulich gelesen, bei einem Bild von Band 2 nahe der Ebernburg hätte man den Eindruck: »als ob der Autor mit einer Staffelei mit Malerkittel« vor Ort war, wohlgemerkt im Mittelalter. Da geht mir natürlich das Herz auf, zumal ich genau diesen Anspruch habe. Im jetzigen Band gibt es beispielsweise die Darstellung der Stadt Ulm. Wenn man sich dem Thema nähert, so gibt es mittelalterliche Darstellungen von Merian-Bildern. Nur sind diese ungenau, die Umgebung und Perspektiven sind nicht real. Der Abgleich mit heutigen Fotos ist dann immer spannend. Was kann man heute noch erkennen, was hat sich verändert? Das ist für mich auch ein großes Vergnügen. Das Ulmer Münster etwa sah seinerzeit noch ganz anders aus, der Turm war viel kleiner. Solche Details sind nicht nur enorm wichtig, sie regen auch meine Fantasie an und schaffen so eine eigene, möglichst authentische Darstellung.

Abseits des Schreibens, Zeichnens und Werbens auf Mittelaltermärkten spannt Dich ein anderes Projekt ein. Die in unserem letzten Interview angedachte Verfilmung Deines Comics nimmt in einer Crowdfunding-Kampagne konkrete Formen an.

Anfang des Jahres machte eine befreundete Agentur in Hamburg mir den Vorschlag einer Verfilmung, beginnend mit einem Drehbuch, das über Crowdfunding eingeworben werden soll. War ich zunächst auch skeptisch, so fand ich den Ansatz, das Projekt quasi »von unten« zu versuchen, sehr gut. Die Erfahrung mit dem erwähnten Trailer und den damit verbundenen Auseinandersetzungen mit Sendern war seinerzeit sehr ernüchternd. Uns drohte damals, die Kontrolle über Inhalt und Form des Stoffes zu verlieren. Sender haben eigene Wünsche und Forderungen, die sind oft dem Stoff mehr als abträglich.
Über die Zeit hatten sich immer wieder viele Fans gemeldet, wann und ob es denn nun mit dem Filmprojekt weitergehen würde. Wir haben auf dem erwähnten Spectaculum eigens auch mit einem Flyer für die Crowdfunding-Aktion geworben. Der Zuspruch aus der Szene ist mittlerweile stark gewachsen, vor Ort war die Begeisterung derart groß, dass manche sofort Geld geben und vor allem mitmachen wollten. Mittlerweile haben wir allein drei Fechtschulen mit mehreren Hundert Akteuren, die sich beteiligen werden. Natürlich hängt alles von der Finanzierung ab, ob wir das Projekt auch finanziell an den Start bringen können. Man wird sehen.

Welche zu erreichende Summe habt Ihr Euch für das Projekt gesetzt?

Momentan bereiten wir den Auftritt bei Startnext vor, der im Oktober starten soll, das heißt Video erstellen, die Seiten bereitstellen, Ziele definieren. Die Summe? So was um die 15.000 Euro, für die erste Phase, glaub′ ich.

Und welche Rolle übernimmst Du?

Falls es klappt, so besteht meine Rolle eher in einer beratenden Funktion. Ich bin froh, wenn ich mich endlich wieder auf meine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann, der Erstellung von Band 5: »Weinsberg«.

Die Fragen stellte Falk Straub

Abbildungen © Edition 52


Die nackten Fakten

Hauptmann Veit, Band 4: »Sturmglocken«
Text/ Zeichnungen: Nofi
Hardcover, vierfarbig, 76 Seiten
24,00 Euro

Ebenfalls erhältlich:

Hauptmann Veit, Band 1: »BlutBruder«
Text/ Zeichnungen: Nofi
Hardcover, vierfarbig, 72 Seiten
22,00 Euro

Hauptmann Veit, Band 2: »Sickingen«
Text/ Zeichnungen: Nofi
Hardcover, vierfarbig, 96 Seiten
29,90 Euro

Hauptmann Veit, Band 3: »Gesetzlos«
Text/ Zeichnungen: Nofi
Hardcover, vierfarbig, 65 Seiten
19,90 Euro

Weiterführende Links:

Homepage Edition 52
Hauptmann Veit auf Youtube
Crowdfunding auf Startnext