KAZÉ Manga: Programmvorschau Sommer 2014 - Interview mit Dirk Remmecke

Veröffentlicht: Freitag, 22. November 2013

Lindbergh

Seit März 2012 ist der Manga Verlag KAZÉ Manga mit seinem eigenen Programm im Handel vertreten. Die kleine, aber feine Auswahl an Titeln wird von Beginn an behutsam gepflegt und aufgebaut und bietet etwas für jeden Geschmack. 2014 geht man ins dritte Jahr. Zum Sommerprogramm 2014 stellten CRON Dirk Remmecke vom Verlag einige Fragen.

KAZÉ Manga:
Programm-Highlights im Frühjahr/Sommer 2014germany48japan48
Interview mit Dirk Remmecke

Dirk RemmeckeDirk, ihr habt die neuen Serien und Titel für das Sommerprogramm 2014 in zwei Etappen vorgestellt. Es ist auf den ersten Blick ein sehr ausgewogenes Programm, da viele verschiedene Genres abgedeckt werden. Mit Lindbergh ist auch ein Fantasy-Titel dabei, der mit seinen Zeichnungen und dem Flieger/Piraten-Ambiente spielt, das wäre auch was für Comicleser, die sonst keine Manga lesen, oder?

Absolut! Lindbergh ist der Titel, den wir einfach machen mussten, weil wir ihn machen wollten.

Ich bin ein großer Fan der frankobelgischen Abenteuer-/Fantasy-/Science-Fiction-Comics wie z.B. Shloka, die in Deutschland vor allem bei Splitter erscheinen (aber eben nicht nur – mein absoluter Favorit aus dem Bereich, Valerian und Veronique, ist bei Carlsen zuhause, und auch Egmonts Zauber hat mich in diesem Jahr begeistert). Lindbergh würde sich als großformatiges Album problemlos einreihen können, sozusagen eine japanische Variation der »Euro-Phantastik« – grafisch und thematisch. Ein wenig wie Hayao Miyazakis Nausicaä aus dem Tal der Winde, der ja auch den Manga »transzendiert«.

Die Story von Lindbergh ist im Kern eine Art Robin-Hood-Geschichte mit Luftschiffen und Drachen. Luftpiraten kämpfen einen Befreiungskampf gegen die Soldaten des Königs von Eldura, und ein kleiner Junge, der eigentlich nur den (verbotenen!) Traum vom Fliegen verfolgt, steckt mittendrin.

Lindbergh Band 1

Lindbergh 1 (vorläufiges Cover)
LINDBERGH © 2009 AHNDONGSHIK/SHOGAKUKAN

Aus dem japanischen Magazin Young Jump habt ihr die Serie Tokyo Ghoul sichern können, aus dem auch die Erfolgsserie Gantz stammt. Um was geht’s da genau und wer ist der Zeichner?

Toyko Ghoul ist das Erstlingswerk von dem Newcomer Sui Ishida.

Tokyo Ghoul erzählt die Geschichte eines Ghouls aus der Sicht des Ghouls. Der Oberschüler Ken begleitet nach einem Date ein Mädchen nach Hause. Was als romantische Situation beginnt, endet blutig, denn das Mädchen entpuppt sich als Ghoul und will den Jungen buchstäblich verschlingen. Ein ungleicher Kampf entbrennt und Ken entgeht nur durch Zufall dem Tod, denn das Mädchen wird von herabstürzenden Stahlträgern erschlagen. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, erfährt er, dass ihm Organe seiner Angreiferin transplantiert wurden. Und das ist nur das erste Kapitel!

Ken wird natürlich zu einem Ghoul. Aber er weigert sich, Menschenfleisch zu essen, er will nicht töten, und muss sich überhaupt in seinem neuen „Leben“ zurechtfinden. Sui Ishida bemüht hier nicht nur die Klischees des Genres, sondern bezieht seine literarischen Einflüsse auch von Franz Kafka (Die Verwandlung) und Hermann Hesse (Demian).

Er schafft es, dem in allen Medien grassierenden Thema Zombies (bzw. Untote im weiteren Sinne) eine neue Facette abzugewinnen, was sicherlich auch ein Grund ist, warum die neuen Bände in Japan unter den Top 10 zu finden sind.

Tokyo Ghoul Band 1

Tokyo Ghoul 1 (vorläufiges Cover)
TOKYO KUSHU © 2011 by Sui Ishida / SHUEISHA Inc.

Die Serie Sexy Puzzle wird mit einer » extra Portion Wahnsinn, Panty Shots und Comedy« angekündigt. Welche Zielgruppe sollte hier zugreifen?;

Das ist leicht zu beantworten: Fans von Harem-Comedys wie Love Hina, Magister Negi Magi, He is my Master oder auch »Wohnheim-Sitcoms« wie Maison Ikkoku.

Der Titel Sexy Puzzle bezieht sich auf das besondere Problem, unter dem die Hauptfigur Hachibei leidet. Er wünschte, dass er sich seine Traumfrau »zusammenpuzzlen« könnte, denn leider verteilen sich seine Ideale auf seine fünf Mitbewohnerinnen: Die Augen von Sukaru, die Beine von Tsubame, die Brüste von Yukari, die Stimme von Kirino und die Taille von Ayame! Das bietet genre-typisch reichlich Möglichkeiten für amouröse Verwicklungen. (Aber jugendfrei, natürlich.)

Sexy Puzzle Band 1

Sexy Puzzle 1 (vorläufiges Cover)
AI KORA © 2005 Kazuro INOUE/SHOGAKUKAN

Welcher Titel der Neuheiten liegt Dir persönlich am meisten am Herzen und warum?

Da bin ich hin und hergerissen. Grafisch und inhaltlich eindeutig Lindbergh, aus den schon genannten Gründen.

Aber auch Magi – The Labyrinth of Magic bringt nostalgische Saiten in mir zum Schwingen. Einerseits bin ich mit Sindbad, der Seefahrer im ZDF aufgewachsen und andererseits ist das Wort »Dungeon« für mich als Rollenspieler ein Lockruf. Tatsächlich enthält Magi so einige Elemente, die ich für meine privaten Rollenspielrunden adaptieren kann. (Das Versteck der Räuberbande in Band 3 bettelt förmlich darum, als Schauplatz ausgearbeitet zu werden.)

Magi – Labyrinth of Magicist bei Euch jetzt auch als Anime gestartet ist, wie ist die bisherige Resonanz auf die neue Manga-Serie?

Wie erwartet sehr gut. Der Titel erschien ja zum Ausklang der diesjährigen Messesaison. Magi war auf jeder Convention schnell ausverkauft, obwohl wir uns anpassten und immer größere Mengen eingepackt hatten. Das war damit der beste Convention-Verkaufsstart seit Resident Evil und Blue Exorcist.

Was mich sehr freut, ist, wie viele Cosplayer man in diesem Jahr schon gesehen hat, und nicht nur auf den großen Cons wie DoKomi, AnimagiC oder Aninite, sondern auch auf den kleineren Veranstaltungen wie der NiCon in Hannover. Magi inspiriert die Fans, und das ist spannend anzusehen.

Die Fragen stellte Matthias Hofmann

Magi - Labyrinth of Magic Band 1

Magi – Labyrinth of Magic 1
MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN

Abbildungen: Alle Abbildungen sind vorläufig und können sich noch ändern.


Weiterführender Link:

Homepage des Verlages: KAZÉ Manga